20. September 2016

Montagsfrage: »Gibt es Antagonisten, die ihr mehr mögt als Protagonisten bestimmter Bücher und aus welchem Grund?

Als ich die heutige Monatgsfrage gelesen habe, hatte mein erster Gedanke nichts mit Literatur zu tun, sondern mit einer anderen Kunstform, die ich schon immer äußerst gerne mochte und noch sehr viel mehr seit ich bei Netflix bin: Ich dachte an eine bestimmte Serie, die fast nur aus Antagonisten besteht - House Of Cards. Fast alle Charaktere sind berechnend, egoistisch und herzlos - es ist ein Vergnügen ihnen bei all diesen Intrigen zuzusehen. Denn man weiß nie, was als nächstes passieren wird und wie sich die Personen verhalten werden. Wer düstere anspruchsvolle Serien mag, sollte sie sich ansehen!

Der Antagonist ist eigentlich als Gegenspieler zum Protagonisten gedacht und erhält dadurch seine Daseinsberechtigung, gemocht wird diese Rolle meistens nicht. Und damit spielt eben ganz stark »House of Cards«. Beim Zuschauen ist man verwirrt, warum trotz all der Taten Francis Underwood oder auch Walter White (»Breaking Bad«) interessant und sympathisch erscheinen. Beide sind gleichzeitig Protagonisten und Antagonisten - aus diesem Grund sind die beiden Serien vielleicht auch so erfolgreich. Sie folgen eben keinem Schema, keinem Stereotypen und haben dazu einfach noch eine exzellente Geschichte zu erzählen.

Bei den Büchern, die ich in der letzten Zeit gelesen habe, gibt es leider nicht solch starke Antagonisten. Dennoch gibt es einige Beispiele, in denen mich die vermeintlichen Gegenspieler überrascht haben:


Als erstes sind mir »Sophie, der Tod und ich« (Thees Uhlmann) und »Die Bücherdiebin« (Markus Zuzak) eingefallen, da in beiden Büchern der ultimative Antagonist eine große Rolle spielt: der Tod. Zwar haben die Werke keine gemeinsame Thematik, aber dennoch ist der Charakter des Todes in beiden so unglaublich liebe- und verständnisvoll und sympathisch. Zwangläufig denkt man über vieles nach und die Bücher haben mich lange nicht losgelassen.


Einen ganz anderer Gegner habe ich im Buch »Der Marsianer« von Andy Weir gefunden: den Mars. Natürlich kann ein Planet eigentlich kein Antagonist sein, weil er nicht mit Absicht und Zielen handelt. In diesem Fall ist dies aber ein bisschen anders, weil er den Protagonisten mehr als einmal fast getötet hätte. Da die Raumfahrtforschung unglaublich interessant für mich ist, habe ich in diesem Buch ganz viel vom Antagonisten gelernt und er hat es Mark Watney wirklich nicht leicht gemacht.


Zuletzt ist mir dann noch die Reihe von Philipp eingefallen, die leider viel zu wenig Beachtung bekommt, obwohl sie nicht nur spannend ist, sondern auch sehr philosophisch: »His Dark Materials« (Der Goldene Kompass, Das Magische Messer, Das Bernstein-Teleskop). Im ersten Teil gibt es eine sehr hinterlistige und gemeine Frau, die der Protagonistin schwer zusetzt - ich mag sie nicht lieber als Lyra, aber sie ist wirklich gut gezeichnet. Wenn ihr es lesen solltet, bitte schaut im Nachhinein nicht den Film. Der ist die schlimmste Literaturverfilmung, die ich je gesehen habe.

...und Snape, Dolores Umbridge und Voldemort - aber darüber muss ich ja nicht sagen!



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen