30. September 2016

205 Museen in 205 Wochen: Das Neue Museum (001)

Als ich im Neuen Museum war, musste ich unweigerlich an das Louvre Museum denken. Beide Museen vereint die Größe, die Verbindung von Altem und Neuen und ein Manko bzw. eine Besonderheit: Sowohl das Berliner, als auch das Pariser Museum sind weltweit vor allem durch ein einziges Ausstellungsstück bekannt - die Büste der Nofretete und das Gemälde der Mona Lisa. Obwohl beide bemerkenswert und wunderschön sind und die meisten BesucherInnen wahrscheinlich wegen ihnen ins jeweilige Museum kommen, sollte man sich die großen Sammlungen nicht entgehen lassen.

Ich habe mir vorgenommen einmal in jedes der circa 205 Museen Berlins zu gehen und ich konnte mir keinen besseren Start vorstellen, als dieses wunderbare Museum. Ich bin begeistert, verliebt und mehr als entzückt - das war zwar mein erster Besuch, aber sicher nicht mein letzter.




Das Neue Museum ist Teil des Weltkulturerbes der Berliner Museumsinsel und wurde zwischen 1843 und 1855 nach Plänen Friedrich August Stüler erbaut. Zu dieser Zeit beinhaltete das Museum eine umfangreichere Sammlung als heute, angefangen bei ägyptischen Kunst bis hin zu Werken aus der Renaissance.

1939 wurden viele Artefakte auf Grund des Beginns des Zweiten Weltkrieges ausgelagert und das Museum wurde geschlossen. Während des Krieges wurde das Gebäude schwer beschädigt, das zentrale Treppenhaus wurde fast vollständig zerstört. In der Nachkriegszeit wurde das Museum weitestgehend vernachlässigt. Erst Ende der 80er Jahre begann man das Gebäude zu sichern, um es vor einem vollständigen Abriss zu bewahren.

1997 erhielt der britische Architekt David Chipperfield den Auftrag, dem Museum seinen alten Glanz zurück zu geben. Historische Fassadenteile und Wände wurden konserviert und mit neuen Elementen verbunden. 2009 - 70 Jahre nach der Schließung, wurde es wieder eröffnet und beinhaltet jetzt das »Ägyptische Museum und die Papyrussammlung« und das »Museum für Vor- und Frühgeschichte«

Das Museum lebt seine Geschichte, sie ist in vielen großen und kleinen Teilen erkennbar und so lohnt sich ein Besuch schon allein, um die unglaubliche Architektur und das Ergebnis der Renovierung zu bestaunen.













Schon beim Betreten durch die beiden großen Eingangstore konnte mich das Museum in den Bann ziehen und ließ mich über drei Stunden nicht mehr los. Im Zentrum steht die neu konstruierte Treppenhalle, die alle Stockwerke und Abteilungen verbinden - sehr übersichtlich und ein Verlaufen ist unmöglich.

Die alten originalgetreu erhaltenen Räume finden sich vor allem im rechten Flügel auf den oberen Etagen. Beim Ansehen der Elemente habe ich mich sofort ins 19. Jahrhundert zurückgesetzt gefühlt. Wandmalereien mit Motiven aus der griechischen Mythologie, unterschiedlichste farbenfrohe Fliesenmosaike und verzierte, goldene Querstreben haben mich durch die Räume wandeln lassen.


Im Souterrain und in den linken Flügeln der einzelnen Etagen finden sich viele neu gebaute Räume, die sich jedoch nicht nur an die vorhandene Architektur angepasst haben, sondern in denen versucht worden ist, alte Materialen mit moderner Technik zu verarbeiten.

Ein absolutes Highlight war für mich hierbei der »Griechische Hof«, in dem das ursprüngliche Konzeptes des Innenhofs erhalten worden ist, aber durch eine Glasdecke die Räume nun Bestandteil des Museums sein können und vor Regen geschützt sind. Ausgehend vom Souterrain bis hin zur zweiten Etage kann dieser nun aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet werden.

Parallel dazu wurde ein»Ägyptische Hof«entworfen, in dem der Boden des Erdgeschosses nach unten gesetzt worden ist und nun einen Blick über zwei Etagen bietet. Gleichzeitig wurde in der ersten Etage über dem kleinen Hof ein weiterer Boden konstruiert, der als Empore dient, einen oberen Abschluss des Hofes bildet und eine kleine zusätzliche Ausstellungsfläche hinzugekommen ist.

Die Architektur des Museums bleibt trotz allem zurückhaltend und gibt den Stücken gleichzeitig ihren alten Glanz zurück. Ich mag die Verbindung von alt und neu besonders gerne - die Geschichte eines Gebäudes sollte nicht in Vergessenheit geraten und wird durch moderne, durchgedachte und clevere Elemente nicht nur erweitert, sondern verleiht ihm einen besonderen Charme und Glanz.













Dennoch sollte man sich die beiden Ausstellungen nicht entgehen lassen. Nach dem Betreten des Museums helfen sehr freundliche MitarbeiterInnen sich im großen Gebäude zu orientieren und zu erklären, wie das Museum thematisch aufgebaut ist. Man hat die Möglichkeit seine Tasche und seine Jacke einzuschließen oder abzugeben und sich einen Audioguide ohne weitere Kosten zu leihen.

Mit diesem um den Hals und einem Lageplan in der Hand, machte ich mich zunächst auf die ägyptischen Ausstellungsstücke anzusehen. Särge, Grabbeigaben, Alltagsgegenstände und Schmuck bilden dabei den Mittelpunkt der Ausstellung. In den einzelnen Räumen liegen weitere Informationsblätter aus, teilweise laminiert und teilweise zum Mitnehmen, sodass man sich weiteres Wissen anlesen kann.

Berühmt, wie die Mona Lisa, ist natürlich die Büste der Nofretete - sie allein hat einen einzigen Raum für sich und darf leider nicht fotografiert werden. Ich habe sie während des Umbaus im Kulturforum am Potsdamer Platz betrachtet und sie ist wirklich wunderschön. Interessant war in diesem Zusammenhang auch die vorangegangene Büste mit Korrekturangaben. Noch mehr in den Bann gezogen hat mich aber die Steintafel, auf der sie mit ihrem Mann abgebildet ist.

Für mich macht einen großen Teil der Faszination für diese Kultur aus, dass sie so weit in der Vergangenheit liegt und dass die Artefakte vor 2000 bis 5000 Jahre entstanden sind. Spannend fand ich auch die Abteilung zu den Papyrusrollen und zu den Grabkammern. Auch kann man sich darüber informieren, wie Ausgrabungen im 19. Jahrhundert logistisch abliefen und welchen Einfluss Heinrich Schliemann auf die Erforschung mehrerer Kulturen gehabt hat.












Nachdem ich durch die Hälfte des Museum gegangen war, spürte ich leider schon ein bisschen, dass ich müde wurde - es ist eben nicht gerade klein. Dennoch wollte ich auch einen Eindruck gewinnen vom zweiten im Haus ansässigen Museum. Angefangen bei der Steinzeit bis hin zum Mittelalter kann man sich verschiedenste Exponate ansehen. Auch hier sind Alltagsgegenstände, Grabbeigaben, Rüstungen und Schmuck im Fokus, hinzu kommen jetzt aber auch Zahlungsmittel und Kleidung.

Besonders faszinierend und für mich komplett neu war der Berliner Goldhut, der sich nicht nur durch eine ungewöhnliche Form auszeichnet, sondern auch extrem gut erhalten ist. Leider war es im Raum sehr dunkel, sodass ich aufs Fotografieren verzichtet habe. Sehr interessant waren auch die Ausgrabungen, die man im Laufe der Jahrhunderte in Berlin und Umgebung gefunden hat - von Keilen bis hin zu Stücken der Berliner Mauer.

Im Unterschied zum Ägyptischen Museum hat man in diesem Bereich des Museums viel mehr Informationstexte direkt an den Exponaten, was ich eigentlich ein bisschen besser finde. Dennoch habe ich die meisten Texte gar nicht bis grob gelesen, da mein Gehirn einfach schon zu viele Informationen aufgenommen hatte.

Nach mehreren Stunden langsamen Museumslaufens musste ich erst mal was essen und trinken. Wer seine Stullen zu Hause vergessen hat, kann natürlich auch gerne eine Kleinigkeit direkt im Museumscafé zu sich nehmen. Anschließend ging es für mich nach draußen in die wunderbar warme Herbstsonne.

Nach dem Besuch habe ich das Gefühl, dass ich einen groben Überblick über das Museum habe. Sollte (und ich werde) wiederkommen, werde ich mich auf einen kleinerern Teil konzentrieren, um diesem gerecht zu werden. Vielleicht bin ich dann nicht mehr so umgehauen von allem...ein perfekter Start in mein Projekt. 204 Museen müssen noch besucht werden.



Adresse
Neues Museum
Staatliche Museen zu Berlin
Museumsindel Berlin
Bodestraße 1 - 3
10178 Berlin

Öffnungszeiten & Eintrittspreise
(Stand Sept. 2016)
Montag bis Sonntag 10 - 18 Uhr
Donnerstag 10 - 20 Uhr
12 € normal und 6 € ermäßigt (inklusive Audioguide)
(Museumsinselticket: 18 € normal und 9 € ermäßigt)

Weitere Fotos findet ihr bei Instagram!

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