13. Juni 2016

Montagsfrage: »Machen Lesespuren im Buch ein Buch für Dich wertvoller oder minden sie den Wert?«



Lange Zeit habe ich über Annotationen, Unterstreichungen und Besitzvermerke ähnlich gedacht wie Buchfresserchen. Ich habe es wirklich verachtet, wenn nur ein einzelner Knick im Buch war und konnte mir gar nicht vorstellen, Anmerkungen an die entsprechenden Textstellen zu setzen. In dieser Zeit habe ich auch sehr ungern Bücher verliehen - allerdings hatte ich auch noch nicht so viele.

Dann habe ich allerdings vor circa neun Jahren »Ex Libris - Bekenntnisse einer Bibliomanin« von Anne Fadiman gelesen. In diesem dünnen Büchlein beschreibt sie, wie sie zum Lesen gekommen ist und wie schwierig es war die Bibliotheken von ihrem Mann und ihr zusammen zu legen. Einen großen Teil der Bekenntnisse widmet sie dem Umgang mit Büchern. Sie liest Bücher oft mehrmals und liebt es dabei ihre Bemerkungen wieder zu entdecken, zu ergänzen und Bemerkungen von Freunden zu lesen. Denn eins ist uns allen klar: Man liest natürlich ein Buch mit Anfang 20 anders als mit 50. Außerdem knickt sie, leiht aus und spricht gerne darüber. Nach dem Lesen dachte ich über mein Umgang mit meinen gekauften Büchern nach und musste eingestehen, dass ich falsch lag. Indem es gelesen aussieht und Anmerkungen am Text stehen, stelle ich einen Bezug zum Buch und der Zeit, in dem ich es gelesen habe, her. Ich verkaufe auch meistens meine Bücher nicht, so ist es egal, wie sie aussehen.

Bücher werden von mir überall mit hingenommen, sie liegen überall rum und sehen nach dem Lesen auch dementsprechend aus. Das Cover und die Rückseite haben Ecken, sind angestoßen und der Rücken (bei Taschenbüchern) hat kleine Rillen. Früher hätte mich das enorm nervös gemacht, aber heute finde ich es toll, denn so habe ich eine eigene Geschichte zum Buch aufgebaut.

Ich liebe es auch, wenn ich Bücher mit Widmung geschenkt bekomme - der Schenkende denkt sich immer etwas beim Schenken und das finde ich toll. Ich schreibe in Bücher, von wem ich es geschenkt bekommen habe. Ich knicke Seiten, auf denen interessante Sätze stehen und makiere, wenn ich keinen Klebezettel in der Nähe habe. Gerade für Rezensionen hilft mir das enorm, denn ich bin richtig schlimmm vergesslich und könnte ohne meine Anmerkungen keine fundierten Besprechungen schreiben.

Hinzu kommt, dass ich bei gebraucht gekauften Büchern immer hoffe, dass es eine Widmung enthält oder Textstellen unterstrichen sind. Oft habe ich schon Unterstreichungen gesehen, die keine Sinn ergeben haben und ich habe mich gefragt, was die Leserin sich dabei gedacht hat. Meiner Meinung nach kommt das oft bei Büchern vor, die in irgendeiner Weise Schullektüre waren - ich kann da einfach drüber lesen, es zaubert ein Lächeln in mein Gesicht. Erst letztens habe ich ein Buch von meiner Mama gelesen, dass diese in der Schule gelesen hat und sie hat natürlich Textstellen unterstrichen - das war so cool zu sehen und die haben auch Sinn ergeben...


Rechte: Buchfresserchen








1 Kommentar:

  1. Hi,
    nach einiger Suche jemanden gefunden, der ungefähr so denkt wie ich. Dein Text spricht mir aus der Seele. Gut geschrieben!
    Mimi

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