30. Mai 2016

Montagsfrage: »Falls ihr Klassiker lest, habt ihr einen besonderen Favoriten?«

Ich finde es schwierig Klassiker zu erkennen und zu definieren. Sind es einfach alle Bücher, die vor 1945 geschrieben worden sind oder sogar vor 1900? Wie wird ein Buch zu einem Klassiker und welche Eigenschaften muss es besitzen und welche Themen muss es ansprechen um diese Ehre zu erlangen?

In meinem Verständnis gibt es natürlich klassische und grundlegende Literatur, aber diese bedeutet in den unterschiedlichen Genres was komplett anderes. So sind »Macbeth« (1606) von William Shakespeare, »John Maynard« (1886) von Theodor Fontane, »1984« (1948) von George Orwell, »Die unendliche Geschichte« (1979) von Michael Ende und »Die vollständige Maus« (1991) von Art Spiegelmann alle Klassiker in ihrem Genre und das obwohl zwischen ihnen 385 Jahre liegen. Und da habe ich noch gar nicht die Klassiker der Hörbücher aufgezählt.

Auch muss zwischen internationalen und nationalen Klassikern unterschieden werden, da Länder, Völker und Kontinente unterschiedlich geprägt sind, verschiedene Geschichten und Themen haben. Bücher, die bei uns eine Rolle spielen, sind in anderen Erdteilen eher belanglos. So kennt bei uns fast jedes Kind die Bücher von Janosch (»Oh, wie schön ist Panama«), aber wer hat schon einmal was von »Charlotte's Web« von E. B. White und Garth Williams gehört? Der Kinderbuchklassiker in Amerika, jedes Kind kennt das!

Vielleicht sind dementsprechend Klassiker, die eine universelle Sprache sprechen und zeitlos immer wieder gelesen werden können, unabhängig von allem. Vielleicht sind auch einfach alle Bücher, die bei Reclam erscheinen Klassiker. :)

Generell habe ich immer ein bisschen Respekt vor Literatur, die vor 1900 erschienen ist, weil die Sprache so anders ist und so weit weg ist. Demnächst lesen wir aber »Sturmhöhe« von Emily Brontë im Buchclub und da bin ich schon ein bisschen gespannt, ob mich das überzeugen kann.

Bei Kinderklassikern bin ich entspannter. Ich liebe natürlich Pippi Langstrumpf, alles von Erich Kästner und Harry Potter ist ja auch schon ein Klassiker der Kinderliteratur. Jetzt hätte ich ja fast E.T.A. Hoffmann vergessen, der auch ganz wunderbare Kinderliteratur geschrieben hat. Da macht es mir komischerweise auch nichts aus, wenn diese im 19. Jahrhundert erschienen ist. Ich finde es hier sogar spannend, was Kinder damals vorgelesen bekamen und wie sie das Lesen gelernt haben.

Aber am allerliebsten mag ich den Klassiker aller Dystopien: »Schöne Neue Welt« von Aldous Huxley. Es ist zwar schon lange her, dass ich es gelesen habe, aber nach all' dieser Zeit ist es immer noch in meinem Gedächtnis geblieben.

...aber ich lese auch gerne Günter Grass, Pablo Neruda und Alice Munro.

Vielleicht ist ein Klassiker dann eben doch, der in einem persönlichen Leseleben eine große Rolle gespielt hat - das kann Goethe sein, aber eben auch »Karel, Jarda und das wahre Leben«!


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