8. Oktober 2015

Nobelpreis Tag vier: Literatur

Kurz bevor ich heute Morgen losgegangen bin um mich mit einer Freundin zum russischen Frühstück zu treffen, habe ich noch schnell im Internet nachgeschaut, wer in diesem Jahr eine Chance hat den Literaturnobelpreis zu gewinnen. Neben den üblichen Verdächtigen, wie Bob Dylan, Haruki Murakami und Philip Roth sprachen einige auch über Joanne K. Rowling, was ich wunderbar gefunden hätte. Denn wie keine andere hat sie eine Generation wieder an das Lesen heran geführt, aber natürlich muss auch ich als Harry Potter Fan eingestehen, dass ihre Texte vielleicht nicht so komplex sind. Dennoch wäre es ein Zeichen für die Liebe zur Literatur gewesen. Neben ihr stand auch ein anderer Name im Mittelpunkt: Swetlana Alexijewitsch ... und tatsächlich wurde diese heute für ihr »vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt« ausgezeichnet.










Im Unterschied zum letzten Jahr kenne ich die Ausgezeichnete. So ist ihr Roman »Secondhand-Zeit«, in dem die in der Ukraine geborene Autorin ein Bild des Postkommunismus zeichnet, schon länger auf meiner Wunschliste. Und auch ihre anderen Bücher beschäftigen sich vor allem mit den Folgen des Zweiten Weltkrieges und des Kalten Krieges - finde ich sehr interessant.

Swetlana Alexijewitsch selbst wurde 1948 als Tochter eines weißrussischen Vaters und einer ukrainischen Mutter in der Ukraine geboren. Später siedelte die Familie nach Weißrussland über. Hier studierte die Autorin Journalistik, später arbeitete sie in diesem Beruf und als Lehrerin. Aufgrund ihrer oppositioneller Meinungen musste sie zunächst bei einer Lokalzeitung arbeiten, kehrte jedoch später nach Minsk zurück, wo sie bei der »Sel’skaja Gazeta« Artikel schrieb.

Im Jahr 1985 erschien ihr Erstling »Der Krieg hat kein weibliches Gesicht«, in dem sie Soldatinnen der Roten Armee interviewte. Diese zeichnen ein ganz anderes, nicht heroisches Bild des Zweiten Weltkrieges. Beachtet man, wann dieses Buch erschienen ist, war es ein persönliches Wagnis dieses Buch zu schreiben. (siehe auch Dossier Nobelpreis)
»Fast ihr ganzes Werk stützt sich auf Gespräche mit Zeugen. Das literarische Verfahren von Alexijewitschs Büchern besteht darin, durch eine Collage von menschlichen Stimmen unsere Kenntnis einer historischen Epoche zu vertiefen.« (Quelle: nobelprize.org)
Sie verbindet dabei Interviews, Prosa und Dokumentationen um über menschliches Schicksal zu berichten und kann uns Nachgeborenen so nahe bringen, warum wir die Schrecken des 20. Jahrhunderts nicht vergessen sollten. So erhielt sie unter anderemfür ihr Werk 2013 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Eine fantastische Entscheidung des Komitees und wieder einmal eine Frau - toll. Herzlichen Glückwunsch!

Das Interview ist in russisch, nachlesen kann man es auf der Nobelpreisseite.

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