10. Oktober 2015

Nobelpreis Tag fünf: Frieden

Da ich gestern eine relativ umfangreiche  Rezension zu der neuen Hörspielreihe »Sherlock & Watson« veröffentlicht habe, dachte ich, das es heute besser passt, den Beitrag zum Friedensnobelpreis zu veröffentlichen. Denn so hat auch dieser kleine Beitrag eine Chance eher wahrgenommen zu werden.

Zunächst einmal bin ich froh gewesen, dass Angela Merkel nicht ausgezeichnet worden ist. In den letzten Tagen spekulierten die unterschiedlichsten Medien darüber, ob sie wohl für ihre Flüchtlingspolitik ausgezeichnet werden würde. Das hätte ich nicht gut gefunden, denn Frau Merkel handelt nicht aus Menschenliebe, sondern aus Kalkül heraus.

In diesem Jahr wurde das »Quartett für den nationalen Dialog« für seinen entscheidenden Beitrag zum Aufbau einer pluralistischen Demokratie in Tunesien in der Folge der Jasmin-Revolution von 2011 ausgezeichnet. Ich muss zugeben, dass ich davon vorher noch nicht gehört hatte, finde aber sehr gut, dass eine zivilistische Vereinigung ausgezeichnet wurde, die sich für Demokratie stark macht.











Nachdem es im Frühling 2011 in Tunesien und weiteren arabischen Ländern zu Umbrüchen kam, war Modernisierung und Demokratisierung in diesem Land gefährdet. Politische Morde und Unruhen machten es fast unmöglich diesen Prozess voran zu treiben. Zu eben dieser Zeit (2013) bildete sich das Quartett für den nationalen Dialog, bestehend aus (1) dem Gewerkschaftsdachverband, (2) dem Handels- und Industrieverband, (3) der Menschenrechtsorganisation »Tunesische Liga für Menschenrechte« und (4) der Vereinigung der Rechtsanwälte. 
»It established an alternative, peaceful political process at a time when the country was on the brink of civil war. It was thus instrumental in enabling Tunisia, in the space of a few years, to establish a constitutional system of government guaranteeing fundamental rights for the entire population, irrespective of gender, political conviction or religious belief.« (Quelle: nobelprize.org)
Diese vier Organisationen repräsentieren verschiedene Sektoren und Werte der tunesischen Gesellschaft. Auf dieser Basis agiert das Quartett als Mediator, Vermittler und Schlichter hin zur einer demokratischen Gesellschaft. Ausgezeichnet werden jedoch nicht die einzelnen Organisationen an sich, sondern die Gemeinschaft der vier.

So konnte mit Hilfe des Quartetts ein Rückschritt verhindert werden, da ihr gelang, die unterschiedlichen politischen Kräfte und Ämter nicht nur zu reformieren, sondern auch hin zu einer Demokratie zu leiten - mit Unterstützung der Zivilgesellschaft.

Diese Arbeit ist in dieser Region einmalig und beachtlich, da sie mehrere Dinge gezeigt hat: zum einen, dass unterschiedliche religiöse Kräfte friedlich zusammen arbeiten können und zum anderen, dass zivilgesellschaftliche Organisationen und Institutionen eine große Rolle im Demokratisierungsprozess spielen können. 
»Tunisia faces significant political, economic and security challenges. The Norwegian Nobel Committee hopes that this year's prize will contribute towards safeguarding democracy in Tunisia and be an inspiration to all those who seek to promote peace and democracy in the Middle East, North Africa and the rest of the world. More than anything, the prize is intended as an encouragement to the Tunisian people, who despite major challenges have laid the groundwork for a national fraternity which the Committee hopes will serve as an example to be followed by other countries.« (Quelle: nobelprize.org)

Interview mit dem Generalsekretär des Gewerkschaftsdachverbands Houcine Abassi (Transkript)


 
Interview mit dem Präsidentin des der Handels- und Industrieverband Ouided Bouchamaoui



Interview mit dem Präsidenten der Menschenrechtsorganisation »Tunesische Liga für Menschenrechte« Abdessattar Ben Moussa (Transkript)



Interview mit dem Präsidenten der Vereinigung der Rechtsanwälte Mohamed Fadhel Mahfoudh (Transkript)





Für mich ein wunderbares Zeichen für positive Veränderung und Zusammenhalt - herzlichen Glückwunsch!

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