19. September 2015

Deutscher Buchpreis - Die Shortlist

Der Buchherbst ist endlich da - die Frankfurter Buchmesse rückt näher und näher, gleichzeitig wurde am Mittwoch die Shortlist des Deutschen Buchpreises bekannt gegeben und ich war ganz oft im Buchladen meines Vertrauens um über Nominierte, Tops und Flops und persönliche Favoriten zu sprechen.

Nachdem Mitte August die Longlist bekannt gegeben wurde, ich mir alle Titel ein bisschen genauer angesehen habe und gleichzeitig entschieden habe, ob die Bücher meinen Geschmack treffen, wurde die Liste nun von 20 Titeln auf sechs eingekürzt. Ich war doch einigermaßen überrascht, bei der Hälfte der Titel waren sich meine Buchhändlerinnen, die Kritikerinnen des DLF und ich einig, die anderen drei hätte ich nicht erwartet. Die diesjährige Jurychefin Claudia Kramatschek begründete die Auswahl wie folgt:

»Familiäre Fluchtwege und interkontinentale Flüchtlingsschicksale, einstige ideologische Kämpfe und der melancholische Abschied von solchen, Varianten männlicher Liebe und weiblichen Ringens mit der Macht: Die sechs von uns ausgewählten Romane sind bilanzierende Rückschau und kritische Bestandsaufnahme zugleich, die unserer Gegenwart noch im Gewand der Historie – seien das die Kulissen des elisabethanischen Zeitalters, seien das die zwölf Apostel – einen erhellenden Spiegel vorhalten. Dies gelingt ihnen in je eigener Weise mit sprachlicher Verve ebenso wie mit formaler Finesse. Dieses Vertrauen in die Kraft der Fiktion als ein immer wieder wagnisreiches Kräftemessen mit Sprache und Form verbindet alle sechs Romane. Das sehr unterschiedliche Ergebnis dieses Kräftemessens hat uns in jedem einzelnen der nun ausgewählten Romane einhellig überzeugt« (Quelle)

Da ich einige andere Bücher auf meine persönliche Shortlist gesetzt hätte, dachte ich, dass ich euch sowohl die offizielle Liste als auch Lisas Liste vorstellen könnte und ein paar Beobachtungen präsentieren könnte.

Offizielle Liste

Rechte: Knaus, Hanser, Berlin Verlag, Fischer, Droschl,  Matthes & Seitz


Wie schon bei der Longlist ist auch die Shortlist bunt durchmischt und es lässt sich keine eindeutige Tendenz ausmachen - das kann man sowohl positiv als auch negativ sehen. So kann man schon allein darüber streiten, wie die Jury zusammengesetzt wird und wie der Preis vergeben wird. Ich habe diesbezüglich ein sehr interessantes Interview mit dem Literaturkritiker Hubertus Winkels  (DLF) gelesen, was mir noch einmal aufgezeigt hat wie die Vergabe funktioniert. So sagte er auch in einem Kritikergespräch zu dem auf der Longlist stehenden Buch »Eigentlich müssten wir tanzen«, dass man es eben nicht unter den Weihnachtsbaum legen könnte.

Denn es gibt neben den inhaltlichen Kriterien eben auch vor allem zwei weite Faktoren, die entscheiden, ob ein Buch Chancen auf den Preis hat: wirtschaftlicher Erfolg und Zeitgeist. Das spiegelt die Liste auch wieder.

Jenny Erpenenbeck hat es einfach verdient auf der Liste zu stehen und ich habe schon die unterschiedlichsten Meinungen über das Buch gehört. Dennoch habe ich hier ein bisschen das Gefühl, dass sie ein bisschen mehr als Mensch insgesamt und weniger für dieses Buch hier steht.
Rolf Lapperts Buch trifft total den Zeitgeist -Entschleunigung, zu Ruhe kommen, Zeit verbringen mit Freunden und Familie, leise sein - das mache ich eh alles schon. Meine Sorge hier sind die vielen Monologe, die ich nicht mag. Die Chancen schätze ich eher gering ein, da andere Titel schon jetzt unglaublich oft im Gespräch sind.
Dazu gehört für mich aber nicht das Buch von Inger-Maria Mahlke und es hat mich am meisten erstaunt, dass es auf der Shortlist steht. Das liegt vor allem am Inhalt, da ich leider nicht solch ein großer Fan von historischen Romanen bin, die vor dem 19. Jahrhundert spielen. Es interessiert mich einfach nicht.
Hingegen war wohl klar, dass es Ulrich Peltzer auf die Liste schaffen würde - groß angelegt und philosophisch. Das muss zum einen mögen und zum anderen viel Zeit dafür haben. Meine Buchhändlerin fand es sehr kompliziert und hat es erst einmal zur Seite gelegt.
Neben dem historischen Roman hat mich die Nominierung von Monique Schwitter überrascht und das auch vor allem, weil es nicht mein Thema ist und ich andere nicht nominierte Romane eher vorne gesehen habe.
Wiederum Frank Witzel war  auch für mich klar. Da im letzten  Jahr ein Buch gewonnen hat, was vor allem in der DDR spielte, zeigt dieses Buch nun die Nachkriegsgeschichte aus westdeutscher Perspektive. Das wäre eine gute gemeinsame Verbindung um vielleicht Deutschland noch besser zu verstehen.

Im Voraus hätte ich auf jeden Fall gedacht, dass der neue Roman von Clemens J. Setz es auf die Shortlist schafft. Ich bin zwar nicht solch ein großer Fan, aber ein 1000 Seiten Werk hätte es einfach verdient...schade.

Wie einige von euch vielleicht wissen, habe ich vor alle mit dem Deutschen Buchpreis und dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneten Bücher zu lesen und eins der sechs Bücher wird in diesem Herbst dazu kommen. Wenn ich es mir aussuchen dürfe, würde ich gerne das Buch von Jenny Erpenbeck, also mein Tipp: »Gehen, Ging, Gegangen«.

Lisas Liste

Rechte: Knaus, Klett-Cotta, Verbrecher Verlag, Fischer VerlagHanser, Matthes & Seitz











Im Gegensatz zur offiziellen Liste weißt meine Liste doch schon einige Tendenzen auf - ich mag halt einfach die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Alle ausgewählten Titel erzählen entweder die Geschichte direkt oder eben über die Auswirkungen dieser Geschichte in der heutigen Zeit. Was mir negativ an meiner Liste auffällt, dass ich nur zwei Frauen integriert habe, da steht die offizielle Liste schon noch ein bisschen besser da.

Neben den Büchern von Jenny Erpenbeck und Frank Witzel habe ich vier andere Titel gewählt, die ich interessanter und meiner Meinung nach auch passender finde:
Steffen Kopetzky habe ich hinzugefügt, weil er in seinem Buch über den Ersten Weltkrieg schreibt, aber eben auch eine Idee weiter entwickelt. Er hat unfassbar gut recherchiert und trotzdem ist dabei ein sehr unterhaltsamer Roman zur Stande gekommen. Das Hörbuch habe ich schon ausgeliehen.
Aus ähnlichen Gründen habe ich Ilija Trojanow auf meine Liste gesetzt. Von diesem Buch war ich von Anfang an begeistert und ich werde es in jedem Fall lesen. Das Thema gefällt mir gut - Vermischung von Zeitzeugenberichten, Archivmaterial und fiktiven Passagen - wäre das auf der Shortlist gewesen, hätte ich meine Daumen für ihn gedrückt.
Wichtig für mich ist auch das Buch von Anke Stelling, es spielt nicht nur in dem Bezirk, in dem ich lese, sondern setzt sich auch kritisch mit dem modernen Frauenbild auseinander. Eigentlich traurig, dass wir solche Bücher im Jahr 2015 noch brauchen, aber man kann nie aufhören über Gleichberechtigung zu sprechen - außer sie ist erreicht, ist sie aber noch lange nicht.
Als letztes habe ich den einzigen lustig klingenden Roman von Vladimir Vertlib gewählt, denn dem Preis fehlt wirklich Witz und Leichtigkeit, was mich wirklich ärgert. Gute deutschsprachige Romane müssen nicht unbedingt schwer und bedeutungsschwanger sein. Auch denke ich, dass dieser Roman am meisten beim Publikum ankommen würde.

So, das war meine persönliche Liste - welche Bücher wären bei euch drauf gewesen und wie findet ihr die offizielle Liste?

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