19. August 2015

Deutscher Buchpreis - Longlist # 1

In diesem Jahr werde ich das allererste Mal Frankfurt und seine Buchmesse besuchen - zusammen mit U. Naiverweise hat diese mir versprochen alle Bücher zu kaufen, die ich gerne haben möchte und sie dann auch zu tragen. Ich denke aber, dass ich so fasziniert sein werde, dass ich gar nicht so zum Buchkaufen kommen werde, wie geplant. Es gibt einfach so viel zu erleben - Lesungen, Treffen mit Menschen, die ich aus Verlagen kenne und eben am Donnerstag, den 12.10. die Bekanntgabe des Deutschen Buchpreises.

Hinzu kommt, dass eine Woche vorher nicht nur die Nobelpreiswoche ist, sondern mein Blog auch seinen ersten Geburtstag feiert. Aus diesen drei Gründen kann ich es gar nicht abwarten, dass Oktober wird.

Zurück zum eigentlichen Thema: Heute um 11.00 wurde der erste Schritt in Richtung Buchherbst unternommen und die Longlist des Deutschen Buchpreises wurde bekannt gegeben - ganz unprätentiös, einfach als Liste und ohne große Videobotschaft. Die Longlist besteht aus 20 deutschsprachigen Titeln, in den Leseproben kann man bald in einem Sonderheft stöbern. Mitte September wird die Longlist dann gekürzt und es bleiben 5 Titel auf der Shortlist bestehen.

Zur Longlist sagte die Jurysprecherin Claudia Kramatschek:

»Die diesjährige Longlist ist eine aufschlussreiche Landkarte, sie bildet die Vielfältigkeit und Vielstimmigkeit der deutschsprachigen Literatur ab. In diesem Jahr aber zeichnet sich eines deutlich ab: Die Welt ist in ihr zu Hause. Die ausgewählten Autoren und Autorinnen nehmen sich der Seelendramen afrikanischer Flüchtlinge an, entführen uns in die Weiten Afghanistans oder in die engen Gassen eines Istanbuler Armenviertels. [...] Es stehen auf dieser Landkarte bekannte neben eher unbekannten Namen und große Verlage neben eher kleineren. Das macht sie für uns umso erfreulicher.«

Ich möchte diese aufregende Zeit nutzen, um euch alle Titel ein wenig näher zu bringen. Heute die ersten fünf Nominierten (A bis H): Alina Bronsky, Ralph Dutli, Jenny Erpenbeck, Valerie Fritsch und Heinz Helle. In den nächsten drei Tagen folgen dann die anderen 15 Nominierten. Fangen wir an:

1. Alina Bronsky »Baba Dunjas letzte Liebe« (Zweite Nominierung nach 2010)

»Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung.« (Quelle: Kiepenheuer & Witsch)


Das klingt richtig gut und ist in jedem Fall was für mich und auch für meine gute Freundin J. Da der Atomunfall in Tschernobyl nur ein Jahr vor meiner Geburt geschah und mich es immer schon interessiert hat, wie man versucht hat zur damaligen Zeit die BürgerInnen der DDR zu belügen, finde ich das Thema sehr spannend. Dazu kommt, dass ich schon in einer Fotoausstellung zum Thema war, die zeigt, wie es dort nach 20 Jahren aussah und ich schon auf der Berlinale einen Film dazu gesehen habe. Ich bin gespannt, wie die Autorin den heutigen Ort beschreibt und wie sie es mit der deutschen Politik verknüpft. Von der Autorin selbst habe ich noch nie was gehört, aber das lässt sich ja jetzt ändern.

2. Ralph Dutli »Die Liebenden von Mantua« (Zweite Nominierung nach 2013)

»Seit 6000 Jahren lagen sie sich in den Armen: Als 2007 die aus der Jungsteinzeit stammenden Skelette zweier junger Menschen bei der Stadt Mantua ausgegraben wurden, gingen die Bilder um die Welt. [...] In Ralph Dutlis Roman ist das berühmte Steinzeitpaar nach Untersuchungen in einem archäologischen Laboratorium plötzlich verschwunden, und so macht sich der Schriftsteller Manu auf die Suche. Doch bald ist er selber unauffindbar. Entführt auf das Anwesen eines dubiosen Grafen, soll er eine neue Religion der Liebe begründen helfen, nicht mit dem Gekreuzigten als zentralem Symbol, sondern mit dem Bild der Liebenden von Mantua .
In einer Zwischenwelt aus Realität und Traum flimmert das Mantua der Renaissance, der Maler Mantegna soll noch einmal sein berühmtes »Zimmer der Vermählten« malen, der Dichter Vergil fliegt als erstaunter Beobachter über seine Heimatstadt Mantua, und es geschehen mehrere merkwürdige Morde.« (Quelle: Wallstein)

Okay!? Ich finde, dass es unfassbar kompliziert und konstruiert klingt. Nach kurzem Nachlesen der Biografie des Autors verwebt er gerne real existierende Personen in seinen Romanen. Leider und das tut mir leid, spricht mich die Geschichte so gar nicht an. Und dazu kommt, dass es ein bisschen klingt, wie ein Fall der drei Fragezeichen. Hat irgendwer schon was vom Autor gelesen und kann mich vom Gegenteil überzeugen?

3. Jenny Erpenbeck »Gehen, ging, gegangen« (Zweite Nominierung nach 2012)

»Wie erträgt man das Vergehen der Zeit, wenn man zur Untätigkeit gezwungen ist? Wie geht man um mit dem Verlust derer, die man geliebt hat? Wer trägt das Erbe weiter? Richard, emeritierter Professor, kommt durch die zufällige Begegnung mit den Asylsuchenden auf dem Oranienplatz auf die Idee, die Antworten auf seine Fragen dort zu suchen, wo sonst niemand sie sucht: bei jenen jungen Flüchtlingen aus Afrika, die in Berlin gestrandet und seit Jahren zum Warten verurteilt sind. Und plötzlich schaut diese Welt ihn an, den Bewohner des alten Europas, und weiß womöglich besser als er selbst, wer er eigentlich ist.
Jenny Erpenbeck erzählt auf ihre unnachahmliche Weise eine Geschichte vom Wegsehen und Hinsehen, von Tod und Krieg, vom ewigen Warten und von all dem, was unter der Oberfläche verborgen liegt.« (Quelle: Knaus)

Ich liebe die Bücher von Jenny Erpenbeck und als ich die Liste zum ersten Mal gesehen habe, dachte ich: Jenny Erpenbeck soll gewinnen. Unbedingt! Nach dem Lesen des Inhalts ihres neuen Buches hat sich das nur noch bestätigt. Ich denke dies ist ein Buch, was zum richtigen Zeitpunkt kommt, wichtig ist. Das es toll geschrieben ist, daran gibt es nicht zu zweifeln. Als Einstieg in das Werk von Jenny Erpenbeck empfehle ich »Dinge, die verschwinden«. Hier erstellt sie eine literarische Liste an Sachen, die nach dem Ende der DDR einfach nicht mehr da sind - ganz wunderbar erzählt. Ich freue mich gerade so für sie. Bis jetzt meine Favoritin!

3. Valerie Fritsch »Winters Garten« (Erste Nominierung)

»Winters Garten, so heißt die idyllische Kolonie jenseits der Stadt, in der alles üppig wächst und gedeiht, die Pflanzen wie die Tiere, in der die Alten abends geigend auf der Veranda sitzen, die Eltern ihre Säuglinge wiegen und die Hofhunde den Kindern das Blut von den aufgeschlagenen Knien lecken.
Winters Garten, das ist der Sehnsuchtsort, an den der Vogelzüchter Anton mit seiner Frau Frederike nach Jahren in der Stadt zurückkehrt, als alles in Bewegung gerät und sich wandelt: die Häuser und Straßenzüge verfallen, die wilden Tiere in die Vorgärten und Hinterhöfe eindringen und der Schlaf der Menschen schwer ist von Träumen, in denen das Leben, wie sie es bisher kannten, aufhört zu existieren.
Sprachmächtig und in sinnlichen Bildern erzählt die junge österreichische Autorin Valerie Fritsch von einer Welt aus den Fugen. [...]« (Quelle: Suhrkamp)

Es klingt unglaublich mysteriös und spannend, aber ich bin auch nicht wirklich sicher, ob es ein Buch für mich ist. Der zusammenfassende Text, denke ich, gibt nicht so viel her, was ich sonst eigentlich immer gut finde. Irgendwie denke ich, dass es um eine Apokalypse oder um die Änderung der Gesellschaft geht. Ich werde in jedem Fall die Leseprobe im Sonderheft ansehen um mir einen besseren Eindruck zu verschaffen. Sehr geheimnisvoll und die Autorin ist dabei noch so jung - gerade mal 26 Jahre und schon auf der Longlist - Respekt!

5. Heinz Helle »Eigentlich müssten wir tanzen« (Erste Nominierung)

»Eine Gruppe junger Männer verbringt ein Wochenende auf einer Berghütte. Als sie ins Tal zurückkehren, sind die Ortschaften verwüstet. Die Menschen sind tot oder geflohen, die Häuser und Geschäfte geplündert, die Autos ausgebrannt. Zu Fuß versuchen sie, sich in ihre Heimatstadt durchzuschlagen. Sie funktionieren, so gut sie können. Tagsüber streifen sie durch das zerstörte Land, nachts durch ihre Erinnerung. Auf der Suche nach einem Grund, am Leben zu bleiben.
Im neuen Roman geht es um die Frage: Reicht das Aufrechterhalten der wichtigsten Körperfunktionen, um von sich selbst sagen zu können, man sei am Leben? Die Antwort, die das Buch gibt, wird uns womöglich nicht trösten. Aber sie macht atemlos vor Spannung.«  (Quelle: Suhrkamp)

Eigentlich kann man diesen Text so stehen lassen und für sich sprechen lassen, denn: Das klingt so gut! Ich will es sofort und unbedingt lesen! Jetzt!


Zum Schluss möchte ich sagen und meine das ganz ernst: Es ist wirklich nicht leicht ein Buch zu schreiben und es ist noch schwerer ein Buch zu schreiben, was auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis steht. Einige Themen sind einfach nicht meine oder ich mag den Schreibstil nicht, dennoch möchte ich den Autorinnen und Autoren einen herzlichen Glückwunsch aussprechen und wünsche ihnen viel Erfolg und alles Gute!

Morgen geht es dann weiter mit: Gertraud Klemm, Steffen Kopetzky, Rolf Lappert, Inger-Maria Mahlke und Ulrich Peltzer.

1 Kommentar:

  1. Hihi, ich dachte noch "das klingt interessant", da las ich auch schon mein Initial. :)
    Ich freu mich schon so auf das Lesebuch, nachdem ich deine Teaser gelesen habe.

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