13. Juni 2015

Hörbuch: Listening To Books # 1

Seit Donnerstag Früh wisst ihr, dass ich eine große Anhängerin der Graphic Novel bin und jetzt oute ich mich auch als großer Fan des Mediums Hörbuch - viel zu unterschätzt und viel zu wenig in den Medien beachtet. Und es gibt unfassbar viele Vorurteile über Hörbücher, die wirklich alle nicht stimmen. Durch Facebook entdeckte ich erst vor kurzen den Beitrag »Vom Lesen und Lesen lassen – Ein Plädoyer für das Hörbuch« des Blogs Buchstabelweise, den ich nur unterstützen kann. Hörbücher sind super!

Dennoch habe ich durch zahlreiche Gespräche mit Freundinnen, die sowohl Hörbücher hören, als eben auch nicht, bezüglich des Hörbuches herausgefunden: Es gibt Menschen, die sich gut nur auf Sprache konzentrieren können und Menschen, die dies eben nicht so gut können. Mit diesem Wissen kann man auch niemanden vorwerfen, dass jemand keine Podcast, Hörbücher und Feature hört, sondern eher Bücher liest oder Serien schaut. Lesen, Hören, Sehen - jeder hat da einen Liebling und wenn ich so darüber nachdenke, ist es bei mir das Hören.

Okay, genug abgeschweift, kommen wir jetzt zum eigentlichen Thema zurück. Ich habe im letzten Monat zwei neue Bücher gehört, die beide sehr unterschiedlich sind, aber beide ganz wunderbar. Ich präsentiere: Listening To Books.


Vor einigen Wochen besuchte ich eine Bibliothek in Berlin-Mitte, da dort eine Vorstellung eines Hörbuches stattfand mit dem anwesenden Sprecher. Gleichzeitig stellte die Bibliothek ausgezeichnete Hörbücher vor, darunter auch »Meine wunderbare Buchhandlung« von Petra Hartlieb und es ist wirklich ganz wunderbar.

Petra hat eine Buchhandlung gekauft, in ihrer Heimatstadt Wien, aber eigentlich wohnt sie doch mit ihrem Mann und den zwei Kindern in Hamburg. Und eigentlich war doch alles eher als Scherz gedacht, ganz harmlos: einfach mal aus Spaß bei eBay mitbieten. Schnell haben sie dieses Gebot wieder vergessen und nach ein paar Wochen bekommen beide dann die E-Mail: »Herzlichen Glückwunsch, Sie haben eine Buchhandlung gekauft!« Kurzentschlossen kündigen beide ihre Jobs, sie bei einer Zeitung - er in einem Verlag, und ziehen nach Wieng, über die gekaufte Buchhandlung. Denn sie besitzen jetzt nicht nur einen Laden, sondern eine Wendeltreppe führt hinauf in die Wohnung. Rund um die Uhr sind sie von nun von Büchern umgeben. Mal sehen, ob das gut gehen kann. 

Petra und Oliver Hartlieb kaufen spontan eine Buchhandlung und all ihre Freunde und Bekannten halten sie für ein bisschen verrückt - ausgerechnet einen Buchladen, obwohl die Menschen doch mehr und mehr im Internet Bücher kaufen. Wird sich das lohnen? Hält das ihre Ehe aus? Und was ist mit dem Sohn im Teenageralter, der so gar keine Lust hat umzuziehen?

In dem Hörbuch, gelesen von Irene Kugler, geht es um den steten Kampf einen kleinen Laden auf zu halten, neue Mitarbeiter einzustellen und Menschen mit der Liebe zu Büchern anzustecken. Dabei begleitet man die Familie von den Anfängen in Wien bis in das aktuelle Jahr. Sowohl die tiefsten Tiefen werden nicht ausgelassen, als auch private Dinge immer wieder mit eingeflochten. Daneben stehen wunderbare Begegnungen mit Menschen, Autoren und der Nachbarschaft. Außerdem bekommt man mit diesem Hörbuch einen Einblick, wie es hinter den Kulissen eines Buchladen zugeht, wie es wirtschaftlich funktioniert und was für einen Einfluss die Digitalisierung der Gesellschaft auf den Buchmarkt hat. Und man stellt fest, mit wie viel Liebe und Leidenschaft die Hartliebs ihren Betrieb über Jahre hinweg betreiben und was für eine wundervolle Philosophie sie pflegen, nicht nur im Umgang mit Kunden, sondern auch mit ihren Mitarbeiterinnen.

Ich habe mit dem Hörbuch angefangen und habe es dann an einem Abend gehört, weil es so wunderbar war und ich wissen wollte, ob es den Laden heute noch gibt. (Spoiler: Ja, es gibt ihn noch.) Ich habe selbst schon einmal in einer Buchhandlung gearbeitet und kann bestimmte Dinge einfach sehr gut nachvollziehen. Die Sprecherin Irene Kugler mit ihrem leichten Wiener Akzent passt kann toll zu dem Hörbuch, was in der gleichen Stadt spielt. Ganz entspannt, voller Liebe und Emotionalität liest sie diesen Text vor. Vielleicht ist dieses Hörbuch ein bisschen schwieriger zu verstehen, wenn man keine Buchhandelerfahrung hat, aber nichts desto trotz ist es ein Hörbuch für alle die Bücher und Buchläden lieben.

RAHMENDATEN

Autorion: Petra Hartlieb
Titel: »Meine wundervolle Buchhandlung«
Hörprobe: klick 
Sprecherin: Irene Kugler
Hörbuch: September 2014 - 18,99 € (GoyaLIT) - ISBN 978-3-8337-3363-5
Umfang: 3 CDs (223 Minuten)
Gebundene Ausgabe: September 2014 - 18,00 € (Dumont) - ISBN 978-3-8321-9743-8
Originalsprache: deutsch
Nominierungen/Preise: ---

 

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Kommen wir jetzt zum neuen Hörbuch von Jan Weiler »Kühn hat zu tun«. Ich habe lange darüber nachgedacht und Jan Weilers »Maria ihm schmeckt's nicht« war eines meiner allerersten Hörbücher. Seither bin ich nicht nur dem Medium Hörbuch verfallen, sondern auch den Werken Jan Weilers, der seine Bücher immer selbst einliest. Als ich ihn vor kurzen in Denis Schecks Sendung »Druckfrisch« gesehen habe, musste ich das neue Hörbuch sofort und unverzüglich haben. Das neue Hörbuch ist ein bisschen anders, als die älteren - denn die Hauptfigur ist nicht mehr Jan Weiler selbst, sondern Martin Kühn.

Martin Kühn ist Mitte 40, verheiratet und hat zwei Kinder. Zusammen leben die vier in einer Neubausiedlung am Rande von München, deren Namensgeber den Ruf eines »Guten Nazis« hat und zum Kriegsende hin tausende Menschen gerettet hat - oder hat er doch seine Zwangsarbeiter grausam behandelt? Kühn selbst ist beim Morddezernat München tätig und obwohl ihn alle für seinen Intellekt bewundern, hat er dort kaum noch Möglichkeiten beruflich aufzusteigen. Seine Tochter will unbedingt ein Pony zum Geburtstag, sein Sohn driftet in die rechte Szene ab und auch sonst steckt sein Leben in einer Krise. Er kann seine Gedanken einfach nicht mehr ordnen, sich nicht konzentrieren und irgendwas in seinem Unterbewusstsein versucht an die Oberfläche zu gelangen. Diese Gedanken kann er sich aber momentan gar nicht leisten, denn in seiner unmittelbaren Umgebung wird eine Leiche gefunden und Kühn muss nicht nur ermitteln, sondern auch hinter die Fassade seiner Nachbarn blicken. Und wir wissen, dass hinter der Fassade nichts so ist, wie es scheint.

Ist dieses Hörbuch ein Krimi? Vielleicht, aber eigentlich ist es ein Portrait eines Familienvaters, der sich mit den Veränderungen seiner Familie auseinandersetzen muss. Klar, findet Kühn am Ende heraus, wer den alten Mann umgebracht hat, aber dies ist am Ende dann doch eher unbedeutend. Eigentlich ist es ein Roman über die Vergangenheit, dessen Verdrängung und deren erneutem Auftauchen. Auch ist es ein Roman über Beziehungen, immer größer werdende Kinder und die Lebensmitte.

All diese Themen sind eigentlich nicht nah an mir dran, dennoch habe ich dieses 7 CD umfassendes Hörbuch innerhalb von zwei Tagen gehört. Denn Jan Weiler kann einfach schreiben, nimmt uns mit in die Gedankenwelt Kühn, schildert seine Probleme. Und er kann halt nicht nur schreiben, sondern auch lesen. Und nein, es ist kein unglaublich düster und tieftrauriges Hörbuch, sondern hat viele heitere Stellen, viel Situationskomik.

Jan Weiler schafft es auch dieses Mal wieder einen in den Bann zu ziehen und ihn über die 500 Minuten nicht wieder her zu geben. Ich bin sogar immer mal wieder später losgegangen, nur um noch einen (und noch einen etc.) Track zu hören. Ein Hörbuch für alle Jan Weiler Fans und alle, die Jan Weiler auch noch nicht kennen.

RAHMENDATEN

Autor: Jan Weiler
Titel: »Kühn hat zu tun«
Höprobe: klick
Sprecherin: Jan Weiler himself
Hörbuch: März 2015 - 19,99 € (Der Hörverlag) - ISBN 978-3-8445-1822-1
Umfang: 7 CDs (508 Minuten)
Gebundene Ausgabe: März 2015 - 19,95 € (Rowohlt) - ISBN 978-3-463-40643-5
Originalsprache: deutsch
Nominierungen/Preise: ---

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