15. Mai 2015

Buch: »Der Ruf des Kuckucks«

Eigentlich mag ich keine Oliven, eigentlich kann ich nicht aufhören Fernsehen zu schauen und eigentlich lese ich keine Krimis. Eigentlich, eigentlich, eigentlich. Oliven esse ich nun schon seit mehreren Jahren, Fernsehen schaue ich seit über einem Jahr schon nicht mehr und im letzten halben Jahr habe ich mindestens drei Krimis gelesen und zuletzt eben »Der Ruf des Kuckucks« vom Newcomer Robert Galbraith.

Dann jedoch passierte etwas sehr Komisches: Es stellte sich heraus, dass der Autor eine Autorin ist und die ganze Welt sie kennt: Es ist Joanne K. Rowling.

Der deutsche Verlag Blanvalet erwarb schon vor dieser Sensation im Februar 2013 die Rechte an der deutschen Übersetzung für einen vierstelligen Betrag und war natürlich überglücklich als sich herausstellte, wer diesen Krimi geschrieben hatte. Denn er wurde über Nacht zu einem Bestseller. So sagte die Lektorin Anja Franzen, die sich für den Roman ausgesprochen hatte gegenüber dem Focus, dass auch ihr nie der Verdacht kam, dass er von Rowling stammen könnte und sie die Charaktere überzeugt haben, den Roman einzukaufen. Da hatte der Verlag wirklich einen Zufallstreffer gelandet. Des einen Freud' ist des anderen Leid: Die Autorin selbst soll wohl nicht so glücklich gewesen sein, als sie enttarnt worden ist ... obwohl ... na ja, ist jetzt auch zweitrangig.

Und auch ich hätte mir den Roman nicht gekauft ohne zu wissen, wer ihn geschrieben hat. Ich kaufe mir sonst nie Krimis, zum einen weil ich mich überhaupt nicht auskenne in diesem Genre und ich zum anderen bin ich auch sehr wählerisch. Und jetzt eben J. K. - da weiß ich, dass ich den Schreibstil mag und einfach 100 und mehr Seiten in einem Rutsch lesen kann. Und auch bei ihrem ersten Krimi war dies der Fall.

INHALT + EINDRUCK


Und da man meist in einer Kriminalgeschichte eine Leiche braucht, fängt auch dieser Roman mit einer an: Lula Landry. Das bekannte Model hat sich im Londoner Winter von ihrem Balkon gestürzt. Selbstmord? Die Polizei findet keine Beweise, die dies widerlegen und schließen den Fall schnell nach ein paar Wochen ab. Aber ihr Adoptivbruder hat Zweifel an der Theorie und engagiert den Privatdetektiv Cormoran Strike in diesem Fall zu ermitteln. Dieser braucht dringend einen Fall, den auch sein Leben scheint aus den Fugen geraten zu sein. Mehr möchte ich zur Kriminalgeschichte auch gar nicht sagen... weil ich sonst noch zu viel verrate.

Die beiden Hauptpersonen dieses Krimis sind der eben erwähnte schrullige Cormoran Strike, der sowohl für die Polizei gearbeitet hat, als auch in Afghanistan im Kriegseinsatz war und dessen neue Assistentin Robin Ellacotts, die mit ihrem Mann gerade frisch nach London gezogen ist. Und gerade den Detektiv habe ich schnell in mein Herz geschlossen. Er ist Sohn eines berühmten Sängers und lebt zur Zeit in seinem Büro, da er gerade von seiner langjährigen Freundin mal wieder aus der gemeinsamen Wohnung geflogen ist und dies vor Robin verheimlichen möchte - gelingt ihm natürlich nicht. Er sieht im Leser auch keinen Komplizen, sondern behält seine Theorien bis zum Schluss für sich, sodass man am Ende einigermaßen beeindruckt von ihm ist.

Dennoch war die Geschichte selbst für mich teilweise in einzelnen Details vorhersehbar. Wobei ich sagen muss, dass ich die Auflösung so nicht erwartet hätte. Und die Ausgangssituation ist in diesem Roman wirklich nicht einfach - es gibt absolut keine Spuren und manchmal fragte ich mich, wie man diesen Fall lösen kann. So ging es Kaspar Heinrich von SPON auch:
»Rowlings Schwächen in Sprache und Figurenzeichnung überdecken einen gelungenen Plot. Was ihr bei ihren Protagonisten nicht gelingt, schafft sie beim Aufbau der Geschichte. Sie beweist Feingefühl, überfrachtet sie weder mit Todesfällen noch mit aberwitzigen Wendungen. Ihr Timing stimmt, der Spannungsbogen entwickelt sich unaufgeregt, ohne vorschnelle Effekte.« (Rechte: Spiegel Online)
Wobei ich die Kritik an der Figurenzeichnung zum Teil wirklich gut verstehen kann. Vor allem die Assistentin bleibt als Figur eine Schablone, die viele Klischees in sich vereint und relativ flach gezeichnet ist. Bei der Beschreibung ihrer Ehe und ihrer Lebensziele habe ich an einigen Stellen gedacht, dass sie eher eine Frau aus den 50er Jahren ist und nicht sehr modern. Das fand ich sehr schade - ich dachte J. K. Rowliing und die westliche Gesellschaft wären ein bisschen weiter.

Bei der Sprache allerdings bin ich ein bisschen kulanter - viele Gespräche mit Wegbegleitern der Toten und dementsprechend viel direkte Rede. Wer das nicht mag und eher Beschreibungen in einem Buch bevorzugt, könnte Probleme mit dem Buch haben. Was ich an der Sprachkritik von SPON lustig finde, ist, dass der Autorin dies schon bei der Harry Potter Reihe vorgeworfen worden ist. Zu einfältig, zu schwach und zu banal. Mich hat das wirklich nie gestört, da (wie auch hier) die Geschichte im Vordergrund steht und die Sprache dies unterstützt.

Eine zweite Parallele zu den Harry Potter Büchern, die mir bei den Besprechungen des Krimis aufgefallen ist und an die ich mich doch sehr anders erinnere: Die Zeitungen loben nun immer Harry Potter um zu unterstreichen, wie schlecht der Roman ist. Wie beispielsweise Tobias Gohlis:
»Wo ist die Frechheit geblieben, wo der Furor, mit dem Rowling vor gut fünfzehn Jahren schon im ersten Satz des ersten Harry Potter-Romans die Normalität und Selbstzufriedenheit der britischen Spießerwelt attackierte? Wo das Tempo, wo die Wendigkeit, mit der sie nicht nur jungen Lesern den Atem nahm? Leider: Nichts ist in diesem Krimi von der Agatha-Christie-Stange verwunderlich, an keiner Stelle stockt der Atem.« (Rechte: Zeit Online)
Als Harry Potter erschien, fanden die Reihe alle blöd außer die Leser und jetzt das. Na ja! Wo ich dem Autor der Rezension aber wirklich widersprechen würde, ist das fehlende Tempo. Es ist ja ein Krimi und kein Thriller. Es geht um Ermittlungen und Befragungen. Es geht nicht um Verfolgungen quer durch London, sondern eigentlich um klassische Polizeiarbeit. Ich würde es tatsächlich komisch und nicht passend finden, wenn Comoran Strike anders wäre und durch London hetzen würde. Aber ich mag auch die Ruhe und wie gesagt Dialoge. Aus diesem Grund war der Roman für mich auch wirklich spannend, weil ich einfach wissen wollte, wer es war und ich aus diesem Grund die Nacht durchgelesen habe. Ich glaube aus diesem Grund lese ich auch wenige Krimis, weil ich nicht aufhören kann, bevor ich weiß wer es war und dies mir im wahrsten Sinne des Wortes den Schlaf raubt.

FAZIT

»Der Ruf des Kuckucks« ist ein guter dialoglastiger Roman, den man wunderbar lesen kann, ohne danach noch lange darüber nachzudenken - leichte Kost im besten Sinne des Wortes. Ich werde in jedem Fall auch die Folgebände lesen und freue mich auf weitere Fälle mit dem Privatdetektiv Comoran Strike.

RAHMENDATEN

Autor/Autorin: Robert Galbraith bzw. Joanne K. Rowling

Titel: »Der Ruf des Kuckucks«
Gebundene Ausgabe: November 2013 - 22,99€ (blanvalet) - ISBN 978-3-7645-0510-3
Taschenbuchausgabe: Oktober 2014 - 9,99€ (blanvalet) - ISBN 978-3-442-38321-4
Umfang: circa 640 Seiten
Hörbuch: November 2013 - 12,99€ (Random House Audio) - ISBN 978-3-8371-2498-9
Originalsprache: Englisch (The Cuckoo's Calling)
Nominierungen/Preise: ---

1 Kommentar:

  1. Ach ja, das Feuilleton und seine Hochnäsigkeit. Aber wenigstens erkennen sie die Qualität der Harry Potter Reihe im Nachhinein an ;). Ich freue mich, dass ich den Krimi zu Hause habe und werde ihn nach deiner Rezension auch bald lesen!

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