14. Februar 2015

Berlinale: politische Tage vier - sechs und Cinderella

Vor wenigen Stunden wurden in der großen Gala die diesjährigen Gewinner der 65. Filmfestspiele bekannt gegeben und der Große Preis der Jury ging an den iranischen Beitrag »Taxi«. Der Film wurde heimlich im Iran gefilmt und dann über Drittmänner nach Berlin geschmuggelt, wo er nun ausgezeichnet worden ist. Der Regisseur hat in den Straßen Teherans eine Kamera in einem Taxi installiert und die Fahrgäste dabei interviewt, die sehr offen in diesem sicheren Raum sprechen.

Auch ausgezeichnet mit Preisen wurden unter anderem:
Ich habe zwei Filme davon gesehen, die ich beide auch gut fand. Aber das waren auch die einzigen Filme, die ich mir vom Wettbewerb angesehen habe, alle anderen liefen entweder im Panorama oder außerhalb der Konkurrenz. Auch hat hier ein Film gewonnen, über den ich bei Gesprächen und im Radio nur schlechtes gehört habe, aber so kann man sich täuschen...

Da ich gestern doch relativ müde war, möchte ich euch heute kurz meine vier gesehenen Filme vorstellen, bevor morgen dann der letzte Tag der Berlinale ist. Traurig bin ich schon ein bisschen und ich nehme mir vor, wenigstens ein Mal in der Woche ins Kino zu gehen, das tut mir einfach gut, aber fangen wir an:

Rechte: Berlinale
Am Donnerstag in der Frühe habe ich mir den Oscar nominierten Film »Selma«, ein Beitrag aus den USA, angesehen. Nachdem Martin Luther King den Nobelpreis überreicht bekommen hat, schließt er sich friedlichen Protesten in Selma an. Auch in den Südstaaten Amerikas fordern Afroamerikaner das Wahlrecht für sich ein. Formell haben sie dieses schon, müssen sich aber der Willkür der Behörden und des Staates beugen und werden 1964 immer noch als Bürger zweiter Klasse behandelt. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten und ist großartig und wichtig. Ich war das eine oder andere Mal wirklich in Tränen aufgelöst vor so viel Ungerechtigkeit und Brutalität. Immer wieder werden friedliche Proteste mit Gewalt niedergeschlagen, doch die Protestler geben nicht auf und davon war ich tief beeindruckt. Zur Geschichte selbst hinzu kommen tolle Schauspieler (zwei aus »The Wire«), gute Musik und Originalszenen . Unbedingt sehen, aber ihr müsst euch auf was gefasst machen.
Morgen wird er noch einmal gezeigt und zwar um 12:30 im Berlinale Palast, regulär läuft er bei uns am 19.02.2015 an.


Rechte: Berlinale
Gestern ging es dann mit  einem deutschen Film weiter, der auch auf wahren Begebenheiten beruht und zwar »Elser«.
Am 8. November 1939 platzierte George Elser eine Bombe in einem Münchener Lokal, in dem Adolf Hitler eine Rede hielt. Doch dieser verließ die Kneipe zu früh, sodass das Attentat fehlschlug. (Aus diesem Grund auch der englische Titel 13 Minuten.) Nachdem er verhaftet worden ist, will man herausfinden mit wem er zusammengearbeitet hat - es stellt sich heraus mit niemandem. Das wird aber nicht geglaubt und so sehen wir mehrere unterschiedliche Verhöre. Gleichzeitig erlebt man in Rückblenden George Elsers Leben und den politischen Wandel Deutschlands. in den 1930er Jahren. Ich hatte im Vorfeld ein Interview mit dem Hauptdarsteller Christian Friedel gehört und war ganz gespannt auf den Film und er ist wirklich gut/okay gelungen. Der Hauptdarsteller ist toll und ich mag ihn auch hier sehr. (Bekannt ist er vielleicht als Lehrer aus dem tollen Film »Das weiße Band«) An der einen oder anderen Stelle war er mir ein bisschen zu konstruiert und leider auch ein bisschen zu schmalzig, sorry. Ich hätte eine eindeutige Fokussierung auf das Attentat besser gefunden und seine Jahre nach dem Anschlag.
Dennoch habe ich erfahren, dass George Elser lange Zeit in Deutschland nicht als Widerstandskämpfer angesehen worden ist und erst seit ein paar Jahren sein Mut vielen Leuten bekannt wurde. Wer gerne deutsche historische Filme mag, die die Zeit des Nationalsozialismus behandeln, kann sich diesen Film ansehen, mein Highlight war es aber leider nicht.
Auf der Berlinale läuft er nicht mehr, regulär startet der Film in den Kinos am 09.04.2015.


Rechte: Berlinale
Und dann kam heute Mittag »Cinderella«, eine neue Verfilmung des Märchens vom Aschenputtel. Ich denke mal, der Inhalt dürfte bekannt sein: Mutter stirbt - Stiefmutter - Dienstmagd - Ball - Schuh - Heirat ... aber diesmal Cate Blanchett als böse Stiefmutter und Helena Bonham Carter als gute Fee. Das war ein absoluter Wohlfühlfilm und zauberhaft. Im Publikum saßen große und kleine Disneyfans und es gab sogar einmal Zwischenapplaus, was ziemlich cool war. (Generell wird bei der Berlinale nach den Filmen immer geklatscht, was ich toll finde und auch in normalen Filmen sein sollte.) Die Umsetzung des Stoffes ist sehr gut gelungen, die Effekte sind wirklich großartig umgesetzt und die Kostüme sind bunt, schrill und aufwendig gestaltete und sehr schön. Cate und Helena haben mir sehr gut gefallen, leider fand ich Cinderella ein wenig schwächer. Was mich aber wirklich gestört hat, es wurde nur ein einziges Lied gesungen - schade. Aber sonst ist es ein guter Popcornfilm, den man aber nicht unbedingt geschaut haben muss.
Um 15:30 im Berlinale Palast läuft er morgen noch ein letztes Mal, ansonst kommt er am 12.03.2015 in die deutschen Kinos.


Rechte: Berlinale
Und als zweites am heutigen Tage habe ich die Dokumentation »Tell Spring Not To Come This Year« mit einer Freundin gesehen. Für sie war es ihr erster Berlinalefilm überhaupt und ich glaube, dass er ihr gut gefallen hat. Nachdem die NATO Truppen aus Afghanistan raus sind, übernahm die Nationalarmee Afghanistan deren Aufgabe. So versuchen die Soldaten gefährliche Gebiete wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen und das Land nicht einfach den Taliban zu überlassen. Einer der Regisseure war selbst als britischer Soldat im Einsatz und kannte die beiden Soldaten, deren Geschichte wir verfolgen, gut. So bekommt man als Europäerin einen Einblick, der neu ist, ungewöhnlich und ganz anders. Die Kamerafahrten sind an einigen Stellen etwas schnell, dass kann man nicht verhindern, aber mein Kopf war in Anspruch genommen. Genausi wie »Selma« ist dies ein sehr wichtiger Film, der zeigt, dass man sich immer mehrere Seiten ansehen sollte und nicht vorschnell urteilen darf. So wurde der Film auch mit dem Amnesty-Filmpreis auf der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet - vollkommen zurecht.
Der Film läuft nicht mehr während des Festivals und leider kann ich euch nicht sagen, ob er in die Kinos kommen wird.

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