10. Februar 2015

Berlinale: Aufregender erster Tag

Auf der diesjährigen Berlinale scheinen nach nur ein paar Tagen irgendwie schon die beiden Favoriten auf die Bären festzustehen - »Victoria«, der Film, der an einem Stück gedreht worden ist und »Knight Of Cups«, der wohl vor allem durch die Kamera und ein vages Thema besticht. Ob das wirklich so ist, kann ich nicht beantworten, da ich beide nicht gesehen habe und es für diese beiden Favoriten wahrscheinlich auch keine Tageskarten mehr gibt. Also wende ich mich anderen Filmen zu und bin gespannt, wer am Ende mit den Preisen nach Hause gehen wird.

Gestern habe ich mit zwei Filme im Friedrichstadtpalast angefangen, die beide im Bereich Wettbewerb laufen. Sie waren sehr unterschiedlich und haben mir aber beide gut gefallen - der eine war ein Wohlfühlfilm und der andere eine politische Dokumenation:


Rechte: Berlinale
»Mr. Holmes« geht von der Prämisse aus, dass es Sherlock Holmes (Ian McKellen) wirklich gab und Watson ihre gemeinsamen Erlebnisse niedergeschrieben hat. Dabei hat Holmes den berühmten Hut nie getragen und bevorzugt auch eher Zigarren. Wenn er ins Kino geht um sich eine Adaption der Geschichte anzusehen, denkt er sich nur, dass es so dramatisch gar nicht war.
Die Geschichte selbst startet 1947: der 93 Jahre alte Holmes lebt zurückgezogen in einem Haus auf dem Land, wo er seine Passion im Bienenzüchten gefunden hat. Mit ihm leben seine Haushälterin (Laura Linney) und dessen Sohn (Milo Parker). Leider hat Holmes schon viele Sachen aus seinem ehemaligen Detektivleben vergessen, ist dement und versucht sich nun an seinen letzten Fall zu erinnern.
Das klingt vielleicht ein bisschen skurril, aber es ist wirklich ganz zauberhaft geworden. Natürlich sollte man es nicht mit der BBC Serie vergleichen, aber für sich allein ist es ein sehr gelungenen Film, in dem es um Wahrheit, Fiktion, Freundschaft und Neuanfänge geht. Ein konventioneller Film, den ich so auf der Berlinale irgendwie nicht erwartet hätte und mich mit seinem Charme und Witz überrascht hat. Zwar nichts besonderes oder experimentelles, (dafür ist der Bereich Forum da), aber niedlich - der Film lief außer Konkurrenz.
Weiter Vorstellungen am Mittwoch um 15 Uhr und am Sonntag um 15.30 Uhr (beides Friedrichstadtpalast).

Rechte: Berlinale

Den zweite Film, den ich gesehen habe, war »El botón de nácar« (Der Perlmuttknopf), ein Dokumentarfilm aus Chile. Vordergründig geht es um den Umgang der Chilenen mit seiner 4300 Kilometer langen Küste. Die ersten 20 Minuten sieht man auch fast ausschließlich wunderbare Landschaftsaufnahen. Einigen mag das vielleicht überhaupt nicht gefallen, ich war total fasziniert - aber ich liebe das Meer auch. Eigentlich geht es in dem Film dann darum, wie die spanischen Siedler im Süden Chiles, in Patagonien, die Ureinwohner grausam gejagt und getötet haben. Von diesem Wasservolk gibt es heute nur noch 20 Nachkommen. Der Film geht dann über zu der Zeit der Militärdiktatur und wie diese auf grausame Weise das Meer für sich genutzt hat um Menschen zu töten. Da ich mich sehr für diesen Kontinent interessierte, wusste ich schon viel darüber, aber es hat mich auch gestern wieder total bewegt. Ich fand den Film so schön von der Landschaft her und er hat gezeigt zu welchen Taten Menschen fähig sind. Meine Sitznachbarn sagten danach, dass sie mehr Dokumentarfilme schauen sollen, die Zuschauer hinter mir waren eher gelangweilt vom Film. Er ist auf jeden Fall nichts für jeden. Aber wenn ihr die Aufarbeitung von Geschichte und das Meer mögt, seid ihr hier richtig.
Der Film wird noch einmal am Sonntag um 10 Uhr im Haus der Berliner Festspiele gezeigt.

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