29. Januar 2015

Hörspiel: »Der Mentor« von Daniel Kehlmann

Als der großen Hype rund um Daniel Kehlmann und seine Veröffentlichung »Die Vermessung der Welt« losging, ließ mich das ziemlich kalt. Lange Zeit blieb das auch so, bis ich vor 2 Jahren zusammen mit meiner Freundin N. aus Spaß ein Uniseminar zu eben diesem Autor besuchte und wir über einige seiner Bücher sprachen. So habe ich in dieser Zeit sowohl die Vermessung der Welt, als auch »Ruhm - ein Roman in neun Geschichten« gelesen, die mir beide relativ gut gefallen hatten.
Zum Ende des Seminars gab damals Rowohlt bekannt, dass der neue Roman »F« erscheinen wird, den ich ziemlich schnell von einer Freundin geschenkt bekam und auch hatte ich die Möglichkeit kurz mit Denis Scheck darüber zu reden. Der fand ihn leider nicht so gut, was ich leider unterstützen kann. So kann Kehlmann sehr gute männliche Charaktere entwerfen, aber meiner Meinung nach liegt seine Schwäche liegt im Zeichnen von weiblichen Figuren und in einer sehr gewollten Konstruktion.

Als ich nun sah, dass der Audio Verlag das Hörspiel »Der Mentor«, dessen Grundlage ein Theaterstück Kehlmanns ist, herausbringen will, war ich umso gespannter, wie mir dieses wohl gefallen wird.



INHALT +MEINUNG

In dem kleinen und feinen Hörspiel geht es um zwei Autoren, die in einer abgeschiedenen Villa aufeinander treffen. Der eine befindet sich am Ende seiner Karriere, dem anderen wird eine große Karriere vorausgesagt. Sie sollen zusammen am Stück des Jüngeren arbeiten und davon gegenseitig profitieren. Das tun sie natürlich nicht, sich streiten und dann schweigen. Das ja ist auch viel schöner.
»Benjamin Rubin, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller, zehrt noch immer vom Ruhm vergangener Tage. Martin Wegner, Jungdramatiker, hat gerade sein neues Stück fertiggestellt. Im Rahmen des hoch dotierten Mentorenprojekts einer Kulturstiftung sollen beide Autoren gemeinsam an Wegners neuem Stück feilen. Und so lernen sie sich in einer abgeschiedenen Villa auf dem Land kennen. Schon bald steht fest: Das Einzige, was die beiden verbindet, ist das versprochene Honorar. [...] «
Ich muss sagen, dass mir das Hörspiel gut gefallen hat, obwohl ich ja einige Probleme mit Kehlmann habe. Es ist sehr unterhaltsam und witzig, vor allem die Figur des älteren Schriftstellers (Franz Xaver Kroetz) ist sehr gut gezeichnet und die das Stück trägt. Er hatte in seinem Leben eigentlich nur einen richtigen Erfolg mit seinem Stück »Der lange Weg«, danach ging es literarisch einfach nicht mehr für ihn weiter. Er bildet sich darauf aber so unfassbar viel ein und verhält sich ziemlich hochnäsig gegenüber seines jungen Kollegen und dessen Frau. So spricht er auch nur über sein Buch und immer wieder über Whiskey - eine bestimmte Sorte. So sagt er einmal zur Frau des jungen Schriftstellers, dass er glaubt, dass es mehr unterschriebene Kopien von seinem Buch gibt, als reine. Eigentlich besteht er nur aus Wiederholungen und Phrasen, was wirklich äußerst unterhaltsam ist.

Der Konterpart (Christoph Bach) ist in sich gekehrt und befindet sich in einem Zustand des ständigen Selbstzweifels, was im Laufe des Stückes noch weiter ausgeweitet wird. Die führt dazu, dass er sich unfassbar eigenartig verhält und es ihn stört, dass seine Frau (Stephanie Schönfeld) ein Fan vom anderen Schriftsteller ist, von ihm aber nicht so viel hält. Leider bleibt die Frau auch in diesem Stück wieder im Hintergrund und ist eindimensional dargestellt, aber das bin ich ja von Kehlmann gewöhnt.

Die Interaktion der vier Sprecher ist dennoch sehr gelungen. Zu den drei beschriebenen Figuren kommt noch die Figur des Mitarbeiters der Kulturstiftung (Ilja Richter), der das ganze Kammerstück abrundet. Man merkt schnell, dass alle vier Sprecher einfach was können und das hier auch zeigen konnten.

So zeigt das Hörspiel exemplarisch, wie Menschen im Literaturbetrieb miteinander umgehen, sich nichts gönnen und geldgierig sind. Das gelingt vor allem mit Hilfe von Rückblenden, Witz und ausgezeichneten Sprechern.



FAZIT

»Der Mentor« ist ein kurzweiliges Hörspiel, welches sich witzig und tiefgründig mit dem Literaturbetrieb und dessen Akteuren auseinandersetzt - mit viel Witz und tollen Sprechern.


Bis jetzt war ich kein großer Hörspielfan (außer natürlich »Die drei ???«) und eher Hörbücher gehört habe. Dieses Stück hat mich vom Genre überzeugt und ich werde versuchen jetzt öfter mal ein Hörspiel anzumachen.


RAHMENDATEN

Autor: Daniel Kehlmann
Titel: »Der Mentor«
Sprecher: Franz Xaver Kroetz, Ilja Richter, Christoph Bach und Stephanie Schönfeld
Hörspiel: Februar 2014 - 14,99€ (Der Audio Verlag) - ISBN 978-3-86231-506-2
(In Zusammenarbeit mit MDR; WDR und ORF)
Umfang: 1 CD (57 Minuten)
Theaterstück: Uraufführung am »Theater in der Josefstadt« in Wien 2012
Originalsprache: deutsch
Nominierungen/Preise: ---

An dieser Stelle danke ich dem Audio Verlag, der mir freundlicherweise ein Presseexemplar  zur Verfügung gestellt hat.

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