20. November 2014

Lesung: »Vor dem Fest« von Saša Stanišić

Eigentlich war dieser Blog nicht darauf ausgelegt, so viel über Literatur zu berichten, aber ich stelle immer mehr fest, was sie doch eine sehr große Rolle in meinem Leben spielt. Aber keine Sorge (vielleicht sorgt ihr euch auch nicht.) es kommen auch Beiträge zu anderen, auch sehr spannenden Themen.

Nun zum eigentlichen Thema - gestern war ich mit meiner Freundin J. in der wunderschönen Humboldt Bibliothek in Tegel um Saša Stanišić zu lauschen, wie er aus seinem neusten Roman »Vor dem Fest« liest. Die dritte im Bunde musste leider zu Hause in ihrem Bett bleiben, aber ich hoffe, dass ich es so gut wiedergeben kann, als wäre sie dabei gewesen.

Vor dem Betreten der Bücherei stellte ich schon die These auf, dass wir wohl die Jüngsten sein werden, obwohl wir nun auch keine 20 mehr sind und es stellte sich als richtig heraus. Während der Lesung schlief beispielsweise die ältere Damen neben mir auch ein, das war ein bisschen merkwürdig.

Vom Roman selbst hatte ich schon gehört und er steht auch auf meiner Wunschliste, gelesen habe ich ihn leider noch nicht. Und eigentlich bin ich jetzt froh darüber, weil mein erster Eindruck vom Roman nun unmittelbar mit dem Abend verbunden ist, den der Autor ganz wunderbar gestaltet hat. So erzählte er, dass er die einzelnen Lesungen immer unter ein Motto stellt und gestern war es »Alte und junge Herren«. Insgesamt fünf Abschnitte brachte er uns näher, in denen es immer um eine männliche Nebenfigur geht. Die vorgelesenen Stellen waren sehr lustig, aber auch anrührend und durchdacht. Wenn der ganze Roman so ist, gefällt er mir bestimmt.

Der Roman selbst spielt ungefähr 24 Stunden in einem Dorf in Brandenburg, erzählt werden die Ereignisse, die in den 24 Stunden vor einem Fest geschehen. Es gibt wohl fantastische Elemente, skurrile Menschen, politische und soziale Verflechtungen und es steht die Frage im Raum, wie man im ländlichen Raum damit umgeht, wenn das Dorf mehr und mehr verschwindet. Und alle im Publikum, die ihn gelesen hatten, waren sehr begeistert.

Saša Stanišić wirkte auf mich sehr nett und reflektiert. So erzählte er auch, wie er schreibt, wie er zu Themen kommt und berichtete über das Thema seiner Magisterarbeit - Er hat über Wolf Haas (großartig!) geschrieben und nur J. und ich kannten ihn.
Lustigerweise saß im Publikum auch sein alter Deutschlehrer, der auch noch eine kleine Anekdote erzählte. Manche Fragen fand ich zwar äußerst unpassend, wie »Schreiben Sie eigentlich auf Deutsch?«, da der Autor in diesem Jahr sowohl den Preis der Leipziger Buchmesse gewann, als auch auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand. Furchbar, dass immer wieder diese Fragen kommen und auch etwas eigenartig war, dass die Moderatorin im Internet nach einer Biografie recherchierte und das hieß, sie schaute mal auf Wikipedia und das hat sie wörtlich vorgelesen.

Was ich auch ein bisschen schade fand, war, dass es nur ungefähr 10 Bücher zu kaufen gab, so konnte ich leider keins erstehen, aber dafür hat er in meinen Terminplaner geschrieben, was eigentlich noch viel individueller ist. Und ich habe ihn gefragt, ob er früher wirklich für DSA geschrieben hat und es entwickelte sich ein kurzes Nerdgespräch.

Ach ja und »Super Lesung, war da! Jetzt nach Hause« hat er auch geschrieben - voll toll!











Und so erzählte Saša Stanišić auch was seine nächsten Projekte sein werden und im Moment sitzt er gerade an einem Familienroman und an Erzählungen, wir können also gespannt sein.

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