15. Oktober 2014

Buch: »Das Leben der Wünsche« von Thomas Glavinic


Foto vom Buchcover Das Leben der Wünsche
Es gibt Romane, die stehen ewig ungelesen im Regal, wurden vor mehreren Jahren gekauft und auf einmal hat man Lust sie zu lesen. So erging es mir auch mit »Das Leben der Wünsche« vom deutschen Autor Thomas Glavinic. Mir ist auch vollkommen klar, warum ich es mir damals gekauft habe - auf Grund des Klappentextes:

Ein Unbekannter zwingt Jonas sich neben ihn auf die Parkbank zu setzen. Sein Angebot ist unerhört: »Ich erfülle Ihnen drei Wünsche.« 
Unverwechselbar erzählt Thomas Glavinic die Geschichte eines Mannes, der eines Tages genau das bekommt, was er sich wünscht - und noch ein bisschen mehr. 

Ich habe einen wirklich komplett anderen Roman erwartet, wurde überrascht, hatte an vielen Stellen einen fragenden Gesichtsausdruck und habe mein kleines Trauma des Hasses gegenüber indirekter Rede und das Fehlen von Anführungsstrichen ein bisschen überwunden. Aber von vorn...

INHALT + EINDRUCK
Der Protagonist Jonas ist Mitte dreißig, Werbetexter, verheiratet mit zwei Kindern - aber vor allem ist sein Leben eingefahren, langweilig und er ist verliebt in seine Affäre Marie. Da setzt sich an einem Nachmittag ein Fremder zu ihm und will ihm drei Wünsche erfüllen. Dieser Kerl sieht einer Fee aber nicht zum Verwechseln ähnlich, sondern hat einen weißen Trainingsanzug an und Goldkettchen um den Hals. Klar, denkt Jonas, ein Spinner. Trotz allem überlegt er laut, was er sich wünschen könnte, zunächst mit keinerlei Folgen. (Die Wünsche verrate ich euch nicht, sonst würde ich zu viel verraten.)

Doch je weiter der Roman geht und je mehr man schon wieder die Wünsche am Anfang vergessen hat, desto mehr kommt Leben in die Geschichte und in Jonas. Sein Sohn hat einen Wachstumsschub, seine Aktien steigen und Frauen finden ihn anziehender.
Doch Jonas hat sich auch andere Fragen gestellt, die tiefer gehen als - Ich will Geld, Gesundheit und Aufmerksamkeit - und an diesen Stellen ist der Roman richtig gut und groß, mystisch und eigenartig. Einige dieser Stellen musste ich zwei Mal lesen, weil ich es nicht fassen konnte, was Glavinic mit seiner Hauptfigur und deren Bezugspersonen anstellt.

Genau diese mystischen, unerklärlichen und naturbezogenen Stellen haben mich am meisten fasziniert und obwohl ich Naturbeschreibungen wirklich nicht besonders mag, haben sie mich hier in den Bann gezogen. Zwischenzeitlich ist einfach auch nicht mehr klar, ob wir uns noch in der Realität befinden oder in einer Zwischenwelt oder ob Jonas einfach irre wird. Und so ist auch der Schluss des Romans nicht etwa ein gutes versöhnliches Ende, sondern hat mich verstörend zurück gelassen und keine Frage wurde beantwortet ... bis ich mir die Wünsche vom Anfang noch einmal angesehen habe und dann versteht man viel und ja, es ist wirklich brillant.

FAZIT
Dies war mein erster Roman von Thomas Glavinic und ich wusste nicht, dass er eher ein Liebling des Feuilletons ist. Ich bin ganz ohne äußerliche Eindrücke in den Roman versunken und dies waren die besten Voraussetzungen.

Trotzdem muss ich sagen, wer eine Art Märchen erwartet, wird enttäuscht. Der Text ist in der Realität angesiedelt und so schreibt der Autor auch, man muss sich auf ihn einlassen, aber dann ist es ein großer Genuss.

RAHMENDATEN

Autor: Thomas Glavinic
Titel: »Das Leben der Wünsche«
Gebundenen Ausgabe: August 2009 - 21,50 € (Hanser) - ISBN 978-3-446-23390-4
Taschenbuch: April 2011 - 9,90 € (dtv) - ISBN 978-3-423-13983-0
Umfang: 320 Seiten
Originalsprache: deutsch
Nominierungen/Preise: Longlist Buchpreis 2009
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Worte in eigener Sache:

Ich versuche möglichst wenig vom Inhalt zu verraten und euch meine Leseeindrücke zu schildern. Das ist unfassbar persönlich und individuell, aus diesem Grund werde ich auch den einzelnen Büchern und Hörbüchern keine Noten geben. Außerdem wird relativ schnell aus den Eindrücken klar, wie ich das Buch bzw. Hörbuch fand.
Außerdem ist es für mich selbstverständlich, dass ich Zitate aus dem Buch und aus Rezensionen kennzeichne und einen Link auf die jeweiligen Rezensionen setze.

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